Jetzt ist es einfach schon Weihnachten. Weihnachten als das Fest der Liebe, der Freunde und vor allem der Familie. Für mich ist es dieses Jahr Weihnachten abroad. Weihnachten weg von zuhause, weg von all den Weihnachtstraditionen und dem Weihnachtstrubel. Weg von meiner Familie. Was sich bisher gut angefühlt hat, fühlt sich in diesen Tagen eher leer an. Es wird auf der einen Seite für mich sehr traurig werden, auf der anderen Seite auch sehr schön. Ich freue mich auf das Weihnachtsfest mit meinen Kollegen. Jeder wird etwas kochen, wir werden Spiele spielen, Weihnachtsfilme schauen und gemeinsam einen wunderschönen Abend verbringen. Denn was wir nicht vergessen dürfen: Wir alle sind weg von Zuhause.
Und dann ist einfach schon Halbzeit. Vier Monate sind vergangen wie im Flug und ich bereue bisher kein bisschen, alles hinter mir zu lassen und meinen neuen Weg zu gehen. Ich bin hierher gekommen ohne wahnsinnig große Erwartungen und liege nun hier in Lappland und fühle mich absolut geborgen und angekommen. Der Schlitten fühlt sich an, als hätte ich nie etwas anderes gemacht.
Um so glücklicher bin ich auch um die Chance, die mir geboten wird. Als ich her kam, war für mich klar, dass ich als Handler hier arbeiten werde, dass ich die Tage im Kennel verbringe und mit den Hunden zusammen bin. Zuerst war ich etwas enttäuscht, weil ich doch ziemlich gerne geguidet hätte, aber mit jeder Woche habe ich es mehr und mehr akzeptiert, war sogar ganz froh drum. Letzte Woche dann kamen meine Chefinnen auf mich zu. „Wir müssen reden Anna!“ Okayyyy… Das war noch nie ein guter Satz in der Vergangenheit… Sofort kamen mir Gedanken in den Kopf wie „hab ich irgendwas falsch gemacht“ „sind sie nicht zufrieden mit mir?“ Im Nachhinein eigentlich sehr verrückt, dass ich mich als erstes Frage, ob ich etwas falsch gemacht habe.
„Wir hoffen dir gefällt es hier bei uns und dir geht es gut? Wir wollten dir nur sagen, dass wir sehr zufrieden mit dir sind. Wahrscheinlich hast du es schon ein bisschen gemerkt die letzten Tage, wir haben dich heimlich aufs guiden vorbereitet. Mit deinem Einverständnis wirst du ab sofort Teilzeit-Guide.“ Kurze ungläubige Blicke zu Hanna und Demi. „Was? Meint ihr das ernst? Jaa klar, voll gern!“
Hier bin ich nun also und wieder wurde ich gelehrt, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen. Manchmal braucht es Zeit sich zu beweisen und sich Vertrauen zu erarbeiten. Und ganz nebenbei hab ich das wohl geschafft. Ich darf dann wohl jetzt guiden – ein Hoch auf meine Orientierung, vor allem bei Schnee und Dunkelheit. – Nicht!
Apropos Dunkelheit. Wir sind momentan mitten in der Dunkelheit, die irgendwie nicht so richtig Dunkelheit ist. Also es ist zumindest nicht stockfinster. Die Sonne kommt nicht mehr über den Horizont und es ist den ganzen Tag eher Dämmerung. Die Sonne geht unheimlich spät auf und ziemlich früh unter. Aber das Licht ist einfach so wunderschön und magisch. Daran kann man sich auf jeden Fall gewöhnen. Zumindest zeitweise.
Hier in unserem neuen Haus haben wir einen wunderschönen Blick auf den Fluss, der teilweise mittlerweile zugefroren ist und das Licht ist immer wieder der Wahnsinn. Bevor wir umgezogen sind, war ich etwas besorgt darum, aber mittlerweile genieße ich es sehr. Ich finde es zwar schade, dass wir nicht so viel Kontakt zu den anderen Mitarbeitern haben, die direkt auf dem Lodge-Gelände wohnen, aber durch die ein oder andere Party ermöglicht es sich immer Mal wieder in Kontakt zueinander zu kommen.
Hier in unserer River Villa sind wir zu acht. Bunt gemixt aus Husky-, Activity- und Indoor-Team. Es ist meistens sehr harmonisch und witzig miteinander. Wir sind von grundauf verschieden in Einstellung und Lebensstil und trotzdem sind wir doch alle irgendwie ähnlich. Wir alle sind auf der Suche nach mehr, auf der Suche nach neuen Abenteuern, wollen die Welt entdecken und sind in der Welt zuhause.
Ich merke immer mehr, dass es so viel mehr gibt, als das was ich bisher kannte. Ich war in meinem kleinen Hamsterrad, habe funktioniert und versucht es jedem recht zu machen, so wenig wie möglich anzuecken, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Hatte meinen fixen Plan im Kopf und war frustriert, wenn es nicht geklappt hat. Habe bei mir die Schuld gesucht und wollte den „richtigen Weg“ gehen.
Wenn ich früher dachte zu wissen wer ich bin, weiß ich jetzt, dass ich eigentlich nichts weiß. Ich weiß nicht, was ich nach diesen acht Monaten Schweden machen möchte, weiß nicht, ob ich nächste Saison wieder hier in Schweden sein will, weiß nicht ob ich zurück in ein Büro will oder kann. Was ich aber seit ein paar Monaten gelernt habe: planen bringt oft nichts, denn das Leben schreibt in den meisten Fällen andere Geschichten.















Vielen Dank für die tollen Fotos und wie immer super geschrieben 😉