Es ist der 13.09.2021 und ich sitze hier mit meiner großen Tasse Tee, mit Blick auf den See, an einem verregneten freien Montag. Es ist unglaublich, dass einfach schon der erste Monat halb vorbei ist. Übrigens wurde ich erstmal groß angeschaut, als ich das erste Mal mit meinem Pott in der Küche saß, für all diejenigen, die meinen Pott kennen. Ich überlege, wie ich diesen Eintrag am besten strukturieren kann, wie ich all diese Eindrücke in einen Beitrag packen soll. Es sind so viele Eindrücke, dass ich teilweise das Gefühl habe überfordert zu sein.

Ich befinde mich also hier mitten im Nirgendwo, in schwedisch Lapland, auf der Pinetree Lodge von Explore the North in Kangos. Was ich nach den ersten Wochen sagen kann: hier lässt es sich definitiv aushalten. Ich wohne in einem Zimmer, welches ich mir mit einer sehr lieben Niederländerin teile, in einem Stuff House. Wir sind hier zu neunt und es ist wie eine riesige WG. Ziemlich laut, ziemlich viele Menschen, aber auch ziemlich witzig und herzlich.
Was ich in den ersten Tagen direkt feststellen durfte:
- Ich habe definitiv zu viel Zeug für nur eine Schrankhälfte dabei.
- Schweden ist saumäßig teuer wenn es um Obst und Gemüse geht. Wird also entweder ne einseitige Ernährung in den nächsten Monaten oder ich zahle etwas aus eigener Tasche auf mein Budget drauf. Mein Budget sind 500 sek in der Woche, die ich für Essen ausgeben kann. Dachte am Anfang, dass mir das locker reichen wird. Wir werden sehen, wie ausgewogen die Ernährung in den nächsten Wochen bleibt.
- Ich bin definitiv nichts gewohnt, was körperliche Arbeit angeht. Ich hatte die letzten Tage Muskelkater an Stellen, bei denen ich nicht mal wusste, dass ich da Muskelkater bekommen kann.
Aber vermutlich interessiert die meisten brennend, wie die ersten zwei Wochen waren. Aufregend!!
Den ersten Tag hatten wir am 01.09. mit Start um 06:50 Uhr. Als erstes haben wir die Hunde gefüttert – 180 Stück. Das sind Futtermengen, die kann man sich nicht vorstellen. Und 180 Hundenamen scheinen unmöglich zu lernen. Den ersten Tag sind wir erstmal nur mitgelaufen. Abends war ich trotzdem unerwartet müde. So wie eigentlich mittlerweile jeden Abend. 21:30 Uhr ist Schicht im Schacht. Wir haben in den darauffolgenden Tagen hauptsächlich die Grund-Tagesabläufe kennengelernt:
- 06:45 Uhr Umziehen
- 07:00 Uhr Futter vorbereiten, parallel Fressnäpfe in den Zwingern vom Wasser leeren
- Nach dem Füttern Wasser geben
- Anschließend kurze Frühstückspause
- Poop Scooping in den Kenneln
- Hunde auf Verletzungen kontrollieren und natürlich ein bisschen kuscheln
- Alles was so anfällt: Medical Care, vorbereiten für das Training, Zwinger von Steinen befreien, Zwinger rechen,
- Mittagspause
- Welpenzeit
- Ab Mitte September: erneut Poop Scooping, Füttern, Wasser geben,…
- Zusätzlich kommen dann noch Dinge wie Transfer-Dienste, Tourvorbereitung,…
Da ich „nur“ Handler für diesen Winter bin, guide ich keine Touren. Am Anfang war ich doch etwas enttäuscht und hätte mir gewünscht auch die Touren leiten zu dürfen. Mittlerweile bin ich jedoch sehr froh, dass ich nur Handler bin. Und trotzdem bekomme ich die Möglichkeit, jede Tour, die ich mitmachen möchte, erleben zu dürfen. Ich muss ehrlich sagen, die Tage fliegen auch ohne zusätzliche Touren förmlich an einem vorbei.
Zwei Highlights gab es in den ersten 14 Tagen zusätzlich. Das erste Highlight war direkt am 03.09. Da die Sommersaison sich dem Ende neigt, haben die Geschäftsführer von Explore the North, Johann und Sara, für das Personal der Pinetree Lodge eine Swedish Kräftskiva ausgelegt und wir „Neulinge“ waren herzlich mit eingeladen. Es gab schwedischen Käsekuchen (herzhaft und viel zu käßig), frisches Baguette, Mayonnaise und frische Garnelen und Shrimps. Selbstverständlich zum selbst schälen. Sara hat uns sehr eindrücklich vorgemacht, was wie gegessen werden kann. Übrigens: auch der Kopf! Als Nachtisch gab es schwedischen Schokokuchen. Wir wurden in die schwedischen Trinktraditionen eingeführt und wer nicht aufgepasst hat, hatte am nächsten Tag einen ziemlichen Kater. Kleiner Spoiler: Ich nicht! Das zweite Highlight gab es noch in derselben Nacht. The Nordern Lights. So unfassbar magisch und schön. Es gab zwar auch in den anderen Nächten Northern Lights, aber da waren sie entweder nicht so stark oder ich habe sie schlichtweg verschlafen..
Wenn die ersten zwei Wochen schon so aufregend waren, wie wird es wohl in den nächsten Monaten werden? Ich bin unfassbar gespannt, was noch kommen wird.







Vieeeelen dank für diesen unfassbar gut geschriebenen und eindrucksvollen Beitrag . So ist es ein bisschen als wären wir auch dabei. Wir sind alle hier so neugierig darauf was da noch so kommen wird und wann wieder unsere Anna was Neues schreibt. Das hört sich alles super spannend aber auch anstrengend an wenn man „nur“ einen Bürostuhl gewöhnt ist ;).
Und trotzdem denkt manch einer, es ist nur ein Urlaub und du bist schon bald wieder hier. 😉
Wir bleiben weiterhin sehr gespannt und freuen uns riesig auf jeden weiteren Infohappen.
Beste Grüße auch von den anderen.